Theater in Zeiten von Corona

 

Aufgrund der aktuellen Ereignisse sind Hamburgs Bühnen vorübergehend bis mindestens 30. Juni geschlossen. Die meisten von uns arbeiten zudem aktuell von zu Hause aus und auch der Rest des öffentlichen Lebens ist nahezu vollkommen zum Stillstand gekommen. Mittlerweile ist selbst der Hund von der ständigen Anwesenheit seiner Besitzer*innen genervt, im Fernsehen läuft immer noch nichts Gutes und alle Schubladen und Schränke sind dank Langeweile bereits perfekt aufgeräumt und sortiert.

Was für ein Glück, dass Hamburgs Kultur- und Theaterszene die freie Zeit genutzt hat und oftmals aus dem Nichts verschiedenste Online-Angebote auf den Weg gebracht hat. Wir zeigen eine Übersicht, wann es was wo zu sehen gibt:

 

Foto: St. Pauli Theater

St. Pauli Theater

Um die Wartezeit bis zur Wiedereröffnung zu verkürzen und dem Publikum schon mal einen kleinen Vorgeschmack auf die kommende Spielzeit ab Herbst zu geben, zeigt das St. Pauli Theater Ausschnitte der Stücke Monsieur Claude und seine Töchter und dem im Hansa Varieté Theater inszenierten Stück Cabaret mit Tim Fischer. Zusätzlich angeboten wird eine Vollversion von Die Dreigroschenoper, die im Winter neu inszeniert wird.

 

Foto: Ernst Deutsch Theater

Ernst Deutsch Theater


Schauspieler Sven Walser liest jeden Tag um 16:30 Uhr aus dem Ernst Deutsch Theater ein weiteres Kapitel aus Der Zauberberg von Thomas Mann vor. Die bereits gelesenen Kapitel sind in der Mediathek des Theaters zu finden. Viel Spaß bei der Lesung: Kerze anzünden und sich verzaubern lassen.

 

 

Foto: Katrin Trautner

Deutsches SchauSpielHaus

Während der aktuellen Ausnahmesituation versammeln sich Karin Beier und das Team der Dramaturgie ums digitale Lagerfeuer. Unter dem Titel „SchauSpielHausBesuch“ laden sie das hauseigene Ensemble zum Zweiergespräch ein. Die Gäste bringen zu jedem Gespräch z. B. ein Lied, ein Gedicht, ein Kunststück oder ein anderes Talent mit. Darüber hinaus bastelt das Ensemble für die Social Media-Kanäle an Videominiaturen zwischen Nonsense und Nobelpreis.

Wer lieber nur zuhört, sollte den Podcast „HörSpielHaus“ entdecken. Ganz neu dazugekommen ist der SchauSpielHausStream, der regelmäßig ausgewählte Inszenierungen zeigt. Alle Mitschnitte sind am jeweiligen Tag ab 18:00 Uhr für 24 Stunden abrufbar.

 

Foto: Fundus Theater

Fundus Theater

Kita, Schule und Kindergarten sind geschlossen und zum 30. Mal kneten, wird den Kleinen dann auch irgendwann zu langweilig. Da kommt das Fundus Theater mit seiner Idee zum „Spielen in Zeiten von Corona“ gerade recht. Jeden Tag gibt es eine neue Anleitung auf Instagram, Facebook und der Website zum Theaterspielen für zu Hause. Die ideale Beschäftigung für die ganze Familie.

 

 

Foto: Monika Rittershaus

Staatsoper @ home

Um die Wartezeit bis zur Wiedereröffnung zu verkürzen, bietet die Hamburgische Staatsoper auf ihrem Instagram- und Facebook-Kanal sowie auf dem eigenen Blog hausgemachtes künstlerisches Programm und exklusive Einblicke von Mitgliedern des Hauses. 

 

 

 

Foto: Arno Declair

Hamburger Kammerspiele

Die Hamburger Kammerspiele bieten einen vollständigen und kostenlosen Mitschnitt von Die Dinge meiner Eltern von und mit Gilla Cremer als Stream an. Der Autorin und Schauspielerin gelingt eine punktgenaue Balance zwischen anrührenden und komischen Momenten und obendrein ein großes Kunststück: Auf bezaubernde Weise führt sie die Zuschauer*innen, ob jung oder alt, zu ganz persönlichen Erinnerungen und lässt uns – mal betroffen, mal amüsiert – innerlich rufen: „Das kenne ich doch!“

 

Foto: Maxim Schulz

Elbphilharmonie

Die Konzertsäle sind leer, die Musik findet andere Wege: Der Elbphilharmonie Konzertkalender bündelt das umfangreiche digitale Programm der Elbphilharmonie und wird täglich mit neuen Streams, Live-Aktionen, Kinderkonzerten, Hausführungen und vielen weiteren spannenden Inhalten befüllt. Zugänglich ist das gesamte Programm über den Facebook-Kanal der Elbphilharmonie.

 

Foto: Anja Beutler

#lichthof_lab im LICHTHOF Theater

Der „Friday Online Talk“ findet regelmäßig freitags um 20:15 Uhr per Zoom-Konferenz statt. Jede Woche berichten Künstler*innen im Gespräch mit dem Künstlerischen Leiter des Theaters Matthias Schulze-Kraft über ihre Arbeit. Das Publikum kann kostenlos an der Konferenz teilnehmen oder per YouTube das Gespräch verfolgen. Zusätzlich gibt es einen kostenlosen Online-Stream des gefeierten Stücks Cum-Ex Papers, das sich mit dem 2018 aufgedeckten größten Steuerraub der Geschichte befasst. Die Veranstaltungen im #lichthof_lab sind kostenlos. Aber auch digitale Formate kosten Geld, deshalb freut sich das LICHTHOF Theater über jede*n der*die ein freiwilliges Ticket für eine #lichthof_lab-Veranstaltung kauft und damit das #lichthof_lab unterstützt.  

 

Foto: G2 Baraniak 

monsun.theater

Das monsun.theater möchte seine Künstler*innen unterstützen und seinem Publikum zugleich den coronafreien Zugang zu ganz besonderen Theatermomenten ermöglichen. Zu diesem Zweck gibt es auf der Theater-Website hochwertige Mitschnitte einiger der erfolgreichsten Produktionen. In voller Länge und kostenlos.

Als Dankeschön erbitten die Beteiligten eine freiwillige Online-Spende, die direkt zu 100 Prozent an die Künstler*innen im Produktionsteam weitergeleitet wird. Die Spendengelder werden über den gemeinnützigen Verein active.arts e.V. – „die Kunstfürsorge“ gesammelt, der auf Wunsch auch Spendenquittungen ausstellt.

 

Foto: Ankerplatz Kommunikation - Judica Portner

Schmidt Theater

Auch wenn die Schmidt-Häuser bis mindestens Ende Juni geschlossen bleiben, lassen sie sich nicht daran hindern, auch in Zeiten des gemeinsamen Alleinseins weiter Theater zu machen. „Schmidtflyx – Die Streaming-Show“ live aus dem Schmidtchen kommt nach Hause: Auf tivoli.de, Facebook und Instagram, zur besten Sendezeit, direkt nach der Tagesschau. Die jeweils 45-minütige Show ist ein bunter Mix aus Musik, Comedy, Talk, schrägen Rubriken und spontanen Überraschungen. Elke Winter, die „Queen of Comedy“, empfängt gemeinsam mit dem Schmidtchen-Hausherrn Henning Mehrtens immer neue spannende Gäste. Dabei sind nicht nur Schmidt-Künstler*innen herzlich eingeladen: „Wir bieten eine virtuelle Bühne für alle, die zurzeit nicht auftreten können – ausdrücklich auch für Künstler*innen aus anderen Häusern“, so Chef Corny Littmann. Neu im Programm sind Ausstrahlungen alter Folgen des dauerbrenners "Pension-Schmidt" montags, mittwochs und freitags zur gewohnten Zeit. Neue Folgen "SchmidtFLYX" gibt es immer am 24. des Monats.

 

Foto: Armin Smailovic

Thalia online

Theater für Zuhause - auch wenn das Live-Erlebnis fehlt. Das Thalia Theater zeigt jeden Abend um 19:00 Uhr neue Formate und Aufzeichnungen aus seinem Archiv. Diese sind anschließend für 24 Stunden online. Von aktuellen Repertoire-Vorstellungen, über Highlights aus den vergangenen Spielzeiten zu berühmten Inszenierungen aus den 80er, 90er und Nuller-Jahren ist alles vertreten. 

 

 

Foto: Stefan Kock

The English Theatre of Hamburg

Deutschlands erfolgreichstes rein englischsprachige Theater bietet seine gefeierte Inszenierung Apologia als Online-Theaterbesuch an. Hierzu kann direkt auf der Website ein günstiges Ticket für die jeweiligen „Vorstellungen“ gekauft werden. Auf dem Ticket befinden sich dann die individuellen Log-In-Daten. Damit kann man sich dann zu Stream-Beginn einloggen.

 

 

Foto: Theater Zeppelin

Das Theaterzeppelin für zu Hause

Beschäftigung für die ganze Familie. Die Theaterschule auf dem Hoheluftschiff ruft Familien dazu auf, eigene Theaterstücke, Szenen oder Performances in den eigenen vier Wänden zu inszenieren. Die Stücke sollen maximal 2 Minuten lang sein, mit dem Handy aufgezeichnet werden und bis zum 30. April 2020 an das Theater Zeppelin geschickt werden.

Dies funktioniert mit den Hashtags #momentmal und #theaterzeppelin auf Instagram oder per E-Mail/Wetransfer.com an theaterschule@theaterzeppelin.de. Es gibt keine Vorgaben zum Inhalt der Videos, wer möchte kann sich beispielsweise gerne von der Frage leiten lassen „Was wollte ich schon immer mal im Theater sehen?“. Die besten Stücke werden prämiert.

 

Foto: Hanna Naske

Live-Training auf Kampnagel

Eigentlich sollte diesen Monat KONTROL, das Selbstexperiment der Hamburger Choreografin und Schauspielerin Patricia Carolin Mai auf Kampnagel zu seinem Ende kommen. Sie hatte sich selbst dem Experiment unterzogen, wie weit sich ihr Körper über Monate verändern lässt. Damit das bisherige Training nicht umsonst war, trainiert sie weiter mit Sportwissenschaftler Patrick Rump und streamt dies jeden Montag und Donnerstag jeweils um 18:30 Uhr live auf ihrem Instagram- und Facebook-Kanal. Neben ihrem eigenen Training gibt sie Tipps und Übungen, wie man auch im ungewohnten Home-Office fit bleiben kann.

 

Foto: Kampnagel 

NEW MEDIA SOCIALISM: RAMADRAM – MULTILINGUALE DIASPORISCHE SOAP-OPERA

Unzählige Fernsehserien entstehen in der arabischen Welt jährlich für den Fastenmonat Ramadan. Allabendlich zum Fastbrechen tauchen Millionen Menschen weltweit in die schöne bunte Welt der Ramadan-Dramen ein, wie die Seifenopern auch genannt werden. Mit Ramadram ist nun zum Fastenmonat 2020 auf Kampnagel eine experimentelle, multilinguale Selfmade-Soap-Opera entstanden, deren Storylines zwar aus dem Leben gegriffen, aber fiktionalisiert und improvisiert wurden. Gedreht wurde ausschließlich im Migrantpolitan auf Kampnagel von und mit Community-Mitgliedern. Die 17 Folgen der Serie werden jeweils Montag bis Donnerstag um 22Uhr (außer am Donnerstag, den 21. Mai) auf Youtube und auf kampnagel.de veröffentlicht. Das Finale geht zum Ende des Ramadans, am Samstag, den 23. Mai zum Zuckerfest online.  

 

Foto: P.E.M. Theater an den Elbbrücken

PEM Theater an den Elbbrücken

Das neu konzipierte PEM-e-Theater ist eine virtuelle Plattform und bietet mit Kabarett-, Musik- und Kinderprogrammen, Kunst und Kultur für zu Hause an. Den Anfang macht eine digitale Märchenstunde für Kinder: Von den Gebrüdern Grimm bis Hans Christian Andersen werden farbenfrohe und fantasievolle Begegnungen mit dem klassischen Märchenkanon dargeboten.
Özlem Winkler-Özkan, Schauspielerin und Leiterin des PEM Theaters an den Elbbrücken, liest für Kinder zwischen 3 und 10 Jahren. Mehrmals wöchentlich werden neue Vorlese-Videos gedreht und online gestellt. Mit dem Kauf eines Märchens für 99 Cent ermöglicht das Publikum eine Einnahmequelle für die unsubventionierte Kulturstätte, die sich seit 2011 der Publikumsnähe verschrieben hat.

Foto: Hamburg Ballett

Hamburg Ballett

Das Hamburger Ballett hat ein exklusives Online-Programm zusammengestellt, welches auf der Website, auf Instagram, Facebook und dem offiziellen Blog veröffentlicht wird.
Mit dabei: Training mit den Star-Tänzern Lloyd Riggins und Madoka Sugai im virtuellen Ballett-Training, Ausschnitte aus Choreografien für die entfallenden Vorstellungen von Junge Choreografen und bisher unveröffentlichtes Bildmaterial aus dem Kreationsprozess von John Neumeiers Ballett Die Glasmenagerie.
Wem das nicht reicht, kann sich John Neumeiers Ballett Beethoven-Projekt in der arte-Mediathek ansehe und das Bundesjugendballett hautnah auf dessen YouTube-Kanal in spannenden Videos und Clips erleben. 

Das Nicht-Festival des Jahres Keiner kommt. Alle machen mit.

Foto: #KEINERKOMMT

Es ist das Nicht-Festival des Jahres in Hamburg – am 12. Mai 2020: MenscHHamburg e.V. präsentiert ein Solidaritäts-Nicht-Festival zu Gunsten der privaten Hamburger Theater- und Musikbühnen, der Hamburger Filmwirtschaft und der Hamburger Clubkultur.

 THE BEATLES, ABBA, BILLIE EILISH, DIE ÄRZTE, MADONNA, TONBANDGERÄT, ED SHEERAN, FOO FIGHTERS, JOHANNES OERDING, REVOLVERHELD, THEES UHLMANN, ROLLING STONES, DEICHKIND, GLORIA, ENNO BUNGER, NIRVANA, BOSSE, DJ MAD, ERASURE, KETTCAR, OLLI SCHULZ, ARND ZEIGLER, GUNS N’ ROSES, TOBIAS SCHLEGL U.A. …

 … KOMMEN NICHT!

Aber möglichst viele Hamburger*innen zahlen 22 € Eintritt in Form einer Spende an die Hamburger Kulturszene:

„Die Hamburger Kulturszene ist besonders hart betroffen von den Maßnahmen zur Eindämmung der Corona-Pandemie. Wir möchten jetzt Zusammenhalt beweisen und mithelfen, die Hamburger Kultur und ihre Vielfalt zu erhalten.  Verrückte Zeiten brauchen verrückte Ideen, um die Krise erträglicher zu machen und daher bewerben wir ein Festival, das es nicht gibt, mit Künstlern die nicht kommen, um Spenden zu sammeln mit Kreativität und Humor“, erklärt Initiator Lars Meier, Vorstand von MenscHHamburg e.V. und Geschäftsführer der Gute Leude Fabrik.